AFNOR-Spezifikationen sind auf vielen technischen Datenblättern von Schmierstoffen zu finden, insbesondere bei Hydraulikölen. Verweise wie NF E48-603, NF E48-690 und NF ISO 11158 helfen dabei, Leistungsanforderungen oder Prüfverfahren zu identifizieren.
Diese Verweise erfüllen jedoch nicht alle denselben Zweck. Einige beschreiben die Leistungsfähigkeit von Schmierstoffen, andere legen Prüfverfahren fest, und mehrere ältere Dokumente wurden inzwischen ersetzt.
Für Händler, Werkstätten und Instandhaltungsteams ist es beim Vergleich von Produkten oder bei der Auslegung von Maschinenhandbüchern entscheidend, die vollständige Normbezeichnung und ihren Status zu kennen.
AFNOR steht für Association française de normalisation, die französische Normungsorganisation.
In der Schmierstoffdokumentation bezeichnet der Begriff „AFNOR-Spezifikation“ üblicherweise eine französische Norm, die im Rahmen des AFNOR-Normungssystems veröffentlicht wurde. Dabei kann es sich um eine nationale Norm oder die französische Übernahme einer europäischen oder internationalen Norm handeln.
Die Präfixe geben Auskunft über die Herkunft des Dokuments:
Präfix | Bedeutung |
NF | Französische Norm |
NF EN | Französische Übernahme einer europäischen Norm |
NF ISO | Französische Übernahme einer internationalen ISO-Norm |
NF EN ISO | ISO-Norm, die auf europäischer und französischer Ebene übernommen wurde |
Diese Präfixe stellen keine Rangfolge der Schmierstoffqualität dar. Sie kennzeichnen den jeweiligen Normungsrahmen. AFNOR erläutert die verschiedenen Präfixe in seinen häufig gestellten Fragen zu Normen.
Die Normnummer, die Ausgabe und die zutreffende Kategorie liefern die notwendigen Informationen, um die tatsächlichen Anforderungen zu verstehen.
E48-603 befasste sich mit Hydraulikflüssigkeiten der Familie H und umfasste Spezifikationen sowie Referenzprüfverfahren. In technischen Schmierstoffdatenblättern wird häufig AFNOR NF E48-603 genannt, teilweise ergänzt um eine Kategorie wie HM oder HV.
Wichtig ist dabei, dass AFNOR das Dokument vom März 1983 als zurückgezogen führt.
Im AFNOR-Katalog werden Ersatzdokumente für zwei Bereiche genannt: NF ISO 11158 für Spezifikationen mineralölbasierter Hydraulikflüssigkeiten und NF ISO 12922 für andere Hydraulikflüssigkeitskategorien, darunter schwer entflammbare Flüssigkeiten. Auch diese Ersatzdokumente wurden seither überarbeitet. Der AFNOR-Eintrag zu E48-603 dokumentiert den Status und die Ablösung der Norm.
Ein älterer Normverweis kann weiterhin bei der Auslegung historischer Maschinenanforderungen helfen. Eine Konformitätsaussage zu E48-603 darf jedoch nicht automatisch als Konformität mit einer neueren Norm dargestellt werden. Der Anbieter muss die konkrete Aussage belegen können.
NF ISO 11158 wurde im Oktober 2023 veröffentlicht und ist die französische Übernahme von ISO 11158:2023. Sie umfasst die Hydraulikflüssigkeitskategorien HH, HL, HM, HV und HG und ersetzt die französische Ausgabe vom Dezember 2009. AFNOR führt die Ausgabe von 2023 als gültig.
Die zugrunde liegende ISO-Norm legt Mindestanforderungen an neue mineralölbasierte Hydraulikflüssigkeiten fest, insbesondere für hydrostatische Leistungsübertragungssysteme. Sie behandelt die Anforderungen an die Flüssigkeit zum Zeitpunkt der Lieferung und deckt nicht sämtliche extremen Betriebsbedingungen ab. ISO beschreibt diesen Anwendungsbereich in ISO 11158.
Bei der Produktauswahl sollte neben der Normnummer auch die Kategorie angegeben werden. Eine pauschale Angabe wie „erfüllt ISO 11158“ ist weniger aussagekräftig als eine Konformitätsaussage mit Nennung der zutreffenden Kategorie.


Der AFNOR-Katalog führt NF EN ISO 12922 in der Ausgabe vom Februar 2020 für Hydraulikflüssigkeiten der Kategorien HFAE, HFAS, HFB, HFC, HFDR und HFDU.
Dieses Dokument deckt einen anderen Bereich der Anforderungen an Hydraulikflüssigkeiten ab als NF ISO 11158. Die genannten Kategorien dürfen nicht mit Kategorien mineralölbasierter Hydraulikflüssigkeiten gleichgesetzt werden. AFNOR erläutert den Anwendungsbereich und die Übereinstimmung von NF EN ISO 12922 mit der internationalen Norm.
Wenn in einem Maschinenhandbuch eine dieser Kategorien vorgeschrieben ist, muss diese Anforderung in den Einkaufsunterlagen beibehalten werden. Die Bezeichnung „Hydrauliköl“ allein ist nicht präzise genug.
Die Filtrierbarkeit beschreibt das Verhalten einer Flüssigkeit beim Durchströmen eines Filters unter festgelegten Bedingungen. Sie ist ein Aspekt der Beurteilung von Hydraulikflüssigkeiten, jedoch keine vollständige Leistungsklassifizierung.
NF E48-690 legt ein Verfahren zur Messung der Filtrierbarkeit mineralischer Hydrauliköle fest. AFNOR führt die Ausgabe vom Dezember 1990 als gültig.
Das Verfahren bewertet die Neigung der Flüssigkeit zur Filterverstopfung und berücksichtigt dabei den Einfluss von Viskosität und Prüftemperatur. Ein Verweis auf dieses Verfahren sollte durch das entsprechende Prüfergebnis oder Akzeptanzkriterium ergänzt werden. AFNOR beschreibt den Zweck von NF E48-690.
NF E48-691 befasste sich mit der Filtrierbarkeit von Mineralölen in Gegenwart von Wasser. AFNOR führt die Ausgabe vom April 1995 als zurückgezogen und nennt NF ISO 13357-1 als Ersatz.
Die Unterscheidung zwischen beiden Prüfungen ist wichtig: Aus der Filtrierbarkeit unter bestimmten Bedingungen darf nicht automatisch auf die Leistung unter anderen Bedingungen geschlossen werden. Der AFNOR-Eintrag zu NF E48-691 erläutert den Anwendungsbereich und die Ablösung der Norm.
Ein Hydraulikschmierstoff muss sowohl die richtige Viskosität als auch die geforderten Leistungseigenschaften aufweisen.
Beispielsweise bezeichnet ISO VG 46 eine Viskositätsklasse nach ISO 3448. Daraus folgt weder die Konformität mit einer AFNOR-Spezifikation für Hydraulikflüssigkeiten noch die Erfüllung einer Anforderung an die Filtrierbarkeit. ISO 3448 definiert die Viskositätsklassifizierung industrieller Schmierstoffe.
Zwei Produkte können derselben Viskositätsklasse angehören und dennoch unterschiedliche Leistungsansprüche erfüllen. Ebenso kann eine Produktreihe innerhalb einer Leistungskategorie mehrere Viskositätsklassen umfassen. Prüfen Sie die Dokumentation zur tatsächlich gelieferten Viskositätsklasse.
Ein Verweis auf eine NF-Norm ist für sich genommen kein Nachweis einer Zertifizierung.
Folgende Aussagen müssen klar voneinander unterschieden werden:
Der Lieferant erklärt die Konformität mit einer Norm.
Für ein Produkt liegt eine dokumentierte Zertifizierung durch eine unabhängige dritte Stelle vor.
Ein Maschinenhersteller hat eine spezifische Freigabe erteilt.
AFNOR unterscheidet zwischen Normung und Zertifizierung. Daher darf eine Formulierung wie „erfüllt NF ISO 11158“ ohne entsprechenden Zertifizierungsnachweis nicht in „AFNOR-zertifiziert“ geändert werden.
Ausgangspunkt sind die Vorgaben des Maschinenherstellers. Halten Sie die vollständige Normbezeichnung, die Kategorie, die Viskositätsklasse und gegebenenfalls weitere Freigabeanforderungen fest.
Wenn ein älterer AFNOR-Verweis genannt wird, prüfen Sie seinen Status und die Ablösehistorie. Bestätigen Sie anschließend, welche Anforderungen das vorgeschlagene Produkt tatsächlich erfüllt, statt alte und neue Bezeichnungen grundsätzlich als gleichwertig anzusehen.
Für Händler und Instandhaltungsteams ergibt sich damit eine klare Vergleichsgrundlage: die geltenden Leistungsanforderungen, die richtige Viskosität und die unterstützende Produktdokumentation. Jeder dieser Aspekte liefert Informationen, die durch die anderen nicht ersetzt werden können.
