DIN-Normen für Schmierstoffe: HLP, HVLP und CLP verständlich erklärt

DIN-Normen für Schmierstoffe: HLP, HVLP und CLP verständlich erklärt

DIN-Normen finden sich auf vielen Hydraulikölen, Industriegetriebeölen und Schmierfetten. Angaben wie DIN 51524-2 oder DIN 51517-3 zeigen, welche technischen Anforderungen ein Schmierstoff laut Hersteller erfüllt.

Für Händler, Werkstätten und Instandhaltungsteams bieten diese Angaben eine nützliche Grundlage für den Produktvergleich. Für die Wahl des richtigen Schmierstoffs sind jedoch auch die passende Viskosität, die Eignung für die Anwendung und etwaige Vorgaben des Maschinenherstellers entscheidend.

Wer weiß, was die jeweilige DIN-Angabe abdeckt, kann Produktdatenblätter leichter interpretieren und vermeidet ungeeigneten Ersatz.

Was sind DIN-Normen?

DIN steht für Deutsches Institut für Normung. Das Institut erarbeitet Normen in Ausschüssen, in denen die Industrie und weitere interessierte Kreise mitwirken.

In der Schmierungstechnik erfüllen DIN-Dokumente unterschiedliche Zwecke. Einige legen Mindestanforderungen an die Leistungsfähigkeit fest, andere definieren Klassifizierungssysteme, Bezeichnungen oder Prüfverfahren. Eine DIN-Nummer sollte daher stets zusammen mit Titel, Teilnummer und gültiger Ausgabe gelesen werden.

Für diese Anforderungen ist im Sprachgebrauch oft von „DIN-Spezifikationen“ die Rede. DIN SPEC (DIN-Spezifikation) bezeichnet jedoch einen eigenständigen Dokumenttyp, der nach einem anderen Verfahren erarbeitet wird als eine DIN-Norm. Die Begriffe sind also nicht automatisch austauschbar. DIN erläutert diese Unterschiede in seiner Einführung in die Normung.

DIN 51524: Normen für Hydrauliköle

Die Normenreihe DIN 51524 legt Mindestanforderungen für drei Hydrauliköl-Kategorien fest:

Norm

Kategorie

Wesentlicher Unterschied

DIN 51524-1

HL

Schutz vor Korrosion und Ölalterung

DIN 51524-2

HLP

Verschleißschutz zusätzlich zum Schutz vor Korrosion und Alterung

DIN 51524-3

HVLP

Verschleißschützende Hydrauliköle mit verbessertem Viskositäts-Temperatur-Verhalten

DIN führt Ausgaben vom Juni 2017 für Teil 1: HL, Teil 2: HLP und Teil 3: HVLP.

DIN 51524: Normen für Hydrauliköle
Was ist HLP-Hydrauliköl?

Was ist HLP-Hydrauliköl?

HLP-Öle sind für hydraulische Anwendungen bestimmt, die neben Korrosions- und Alterungsbeständigkeit auch Verschleißschutz erfordern. DIN 51524-2 gilt für Systeme, bei denen die Bauart der Pumpe oder des Hydromotors und die Betriebsbedingungen Additive erfordern, die den Verschleiß im Mischreibungsgebiet verringern.

Die Bezeichnung HLP bezieht sich also auf die Leistungsmerkmale des Schmierstoffs. Die Viskositätsklasse legt sie allein nicht fest.

Was ist der Unterschied zwischen HLP und HVLP?

HVLP-Öle kombinieren Verschleißschutz mit einem höheren Viskositätsindex. Ihre Viskosität ändert sich daher weniger stark mit der Temperatur, was nützlich sein kann, wenn Anlagen in einem breiteren Temperaturbereich arbeiten.

HVLP sollte nicht als universeller Ersatz für HLP betrachtet werden. Welche Druckflüssigkeit geeignet ist, bestimmen weiterhin die Betriebsanforderungen der Anlage. So unterscheidet beispielsweise der Hydraulikhersteller HAWE zwischen diesen Kategorien und nennt Einsatzbeschränkungen, statt sie als uneingeschränkte Qualitätsstufen zu behandeln. Die Ölempfehlungen von HAWE erläutern die praktischen Unterschiede.

DIN-Normen und ISO-Viskositätsklassen: zwei verschiedene Anforderungen

Eine Bezeichnung wie HLP 46 vereint zwei Angaben:

  • HLP kennzeichnet die Hydrauliköl-Kategorie.

  • 46 kennzeichnet die ISO-Viskositätsklasse.

Ebenso kombiniert CLP 220 eine Schmierstoffkategorie mit einer ISO-Viskositätsklasse.

ISO VG ist das Viskositätsklassifizierungssystem für flüssige Industrieschmierstoffe und in ISO 3448 festgelegt. Es definiert nicht die vollständigen Leistungsanforderungen an ein Hydrauliköl oder Getriebeöl.

Diese Unterscheidung ist beim Produktvergleich wichtig. Zwei Öle können dieselbe ISO-Viskositätsklasse haben und dennoch unterschiedlichen Anwendungskategorien angehören. Umgekehrt können Produkte, die dieselbe DIN-Leistungsnorm erfüllen, in mehreren Viskositätsklassen erhältlich sein.

In einer Einkaufsspezifikation sollten daher sowohl die geforderte Leistungskategorie als auch die Viskositätsklasse angegeben werden. „ISO VG 46“ allein beschreibt das benötigte Hydrauliköl nicht vollständig.

DIN 51517: Industrieschmieröle und CLP-Anforderungen

DIN 51517 ist eine weitere wichtige Normenreihe in der Industrieschmierung. DIN 51517-3 legt Mindestanforderungen an CLP-Schmieröle fest, die vorwiegend für Umlauf- und Tauchschmierung bestimmt sind.

CLP-Angaben finden sich häufig auf Datenblättern von Industriegetriebeölen. Die Normangabe steht für einen Satz von Anforderungen; sie bedeutet nicht, dass jedes CLP-Öl für jedes Getriebe geeignet ist.

Die Ausgabe vom September 2018 enthält Festlegungen zum Verhalten gegenüber Dichtungswerkstoffen und zur Schaumprüfung – ein Beispiel dafür, dass die Leistungsbewertung über die Viskosität hinausgeht. DIN Media beschreibt Anwendungsbereich und Änderungen von DIN 51517-3:2018-09.

Auch der Status der Ausgabe verdient Beachtung. Mit Stand Oktober 2026 führt DIN neben der veröffentlichten Norm von 2018 einen Entwurf vom Juli 2026 für die Überarbeitung von Teil 3. Ein Entwurf sollte nicht allein wegen seines neueren Datums als verabschiedeter Ersatz dargestellt werden.

DIN 51825: Normen für Schmierfette

DIN-Anforderungen gelten auch für Schmierfette. DIN 51825 behandelt die Einteilung von und die Anforderungen an Schmierfette K. Es handelt sich um eine eigene Norm, getrennt von den Normen für Hydrauliköle und Industrieschmieröle. DIN Media gibt den Anwendungsbereich mit „Schmierfette K – Einteilung und Anforderungen“ an.

Übernehmen Sie bei der Prüfung einer Fettempfehlung die vollständige Bezeichnung und die Anwendungsanforderungen. Eine verkürzte Beschreibung kann Informationen auslassen, die nötig sind, um zu beurteilen, ob das Produkt den Schmiervorschriften der Anlage entspricht.

Dasselbe Prinzip gilt für alle Schmierstoffarten: Vergleichen Sie die vollständige Spezifikation, statt ein Produkt nur deshalb zu wählen, weil eine bekannte Zahl oder ein vertrauter Buchstabe auf dem Etikett steht.

DIN 51502: Klassifizierung und Kennzeichnung

Klassifizierungsdokumente erfüllen einen anderen Zweck als Normen mit Mindestanforderungen an die Leistung.

Die Normenreihe DIN 51502 befasst sich mit der Bezeichnung und Kennzeichnung von Schmierstoffen. DIN 51502-1:2026-03 enthält allgemeine Angaben, darunter Kurzbezeichnungen sowie die Kennzeichnung auf Verpackungen, Behältern, Schmiergeräten, Schmierstellen und Produktdatenblättern.

Für die technische Dokumentation ist dies eine relevante Neuerung: Laut DIN wurde die frühere DIN 51502:1990-08 überarbeitet und in eine achtteilige Normenreihe aufgeteilt. Ältere Referenztabellen verweisen daher möglicherweise noch auf das frühere Einzeldokument. DIN Media erläutert die neue Struktur von DIN 51502.

Eine Klassifizierungsangabe hilft, einen Schmierstoff zu beschreiben. Sie sollte zusammen mit den jeweils geltenden Leistungsanforderungen gelesen werden.

DIN 51517: Industrieschmieröle und CLP-Anforderungen
So nutzen Sie DIN-Normen bei der Auswahl von Schmierstoffen

So nutzen Sie DIN-Normen bei der Auswahl von Schmierstoffen

Für eine klare, nachvollziehbare Produktempfehlung sollten Sie vier Punkte gemeinsam prüfen:

  1. Anwendung: Maschine, Bauteil und Schmiervorschriften ermitteln.

  2. Leistungsnorm: die vollständige DIN-Angabe einschließlich des betreffenden Teils festhalten.

  3. Viskosität: die geforderte Viskositätsklasse separat bestätigen.

  4. Produktdokumentation: die genaue Angabe des Lieferanten sowie etwaige erforderliche Freigaben des Erstausrüsters (OEM) prüfen.

Formulieren Sie präzise. Die Aussage eines Lieferanten, ein Produkt „erfüllt DIN 51524-2“, darf nicht in eine Freigabe des Maschinenherstellers umgedeutet werden. Ebenso belegt eine gemeinsame DIN-Angabe allein nicht, dass zwei Produkte in einer bestimmten Maschine gemischt oder gegeneinander ausgetauscht werden können.

Für Händler und Instandhaltungsteams sind DIN-Normen am nützlichsten, wenn sie als Teil einer vollständigen Schmierstoffanforderung dokumentiert werden. Die Kombination aus der richtigen Norm, der Viskositätsklasse und den Vorgaben des Maschinenherstellers bietet eine wesentlich solidere Auswahlgrundlage, als sich auf einen Produktnamen oder einen einzelnen Klassifizierungscode zu verlassen.

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